Cannabisvergiftung bei Kindern: Symptome erkennen und richtig handeln
Eine versehentliche Aufnahme von Cannabis oder THC-haltigen Produkten kann für Kinder gefährlich werden und sollte ernst genommen werden. Besonders problematisch sind Cannabisprodukte zum Essen, sogenannte Edibles: Sie können Süßigkeiten, Keksen oder anderen Lebensmitteln ähneln und deshalb von kleinen Kindern unbemerkt gegessen werden. [1] [2]
Die Beschwerden einer Cannabisvergiftung können von ausgeprägter Müdigkeit und Benommenheit bis zu Koordinationsstörungen, Verwirrtheit, Erbrechen, Krampfanfällen oder in schweren Fällen einer verlangsamten Atmung reichen. Bei Kindern können die Symptome erheblich sein und eine ärztliche Behandlung erforderlich machen. [1] [3]
Bei Verdacht auf eine Aufnahme sollte deshalb nicht darauf gewartet werden, dass Symptome auftreten. Eltern oder Betreuungspersonen sollten möglichst schnell ein Giftinformationszentrum kontaktieren. Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot, Krampfanfällen oder anderen lebensbedrohlichen Anzeichen muss sofort der Notruf 112 gewählt werden. [4]
Was ist Cannabis?
Cannabis bezeichnet Produkte, die aus der Hanfpflanze gewonnen werden. Zu den bekannten Cannabisprodukten gehören unter anderem Marihuana und Haschisch. Für die berauschende Wirkung ist vor allem das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol, kurz THC, verantwortlich. [5]
Für Kinder ist insbesondere die versehentliche Aufnahme von THC-haltigen Produkten problematisch. Dabei kann es sich um Pflanzenmaterial, Harz, Öle oder Tinkturen handeln, aber auch um Lebensmittel und Getränke, die Cannabis enthalten. [1]
Warum ist Cannabis für Kinder besonders problematisch?
Kleine Kinder reagieren empfindlicher auf bestimmte Wirkstoffe als Erwachsene. Bei einer Cannabisaufnahme können deshalb bereits vergleichsweise kleine Mengen zu deutlichen Symptomen führen. Das Risiko hängt unter anderem vom Alter und Körpergewicht des Kindes, der aufgenommenen Menge und der THC-Konzentration des Produkts ab. [3]
Eine feste THC-Menge, ab der bei jedem Kind sicher mit einer Vergiftung zu rechnen ist, lässt sich nicht seriös angeben. Die im ursprünglichen Artikel genannte pauschale Dosis von 255 bis 1.000 Milligramm ist daher nicht als allgemeiner Grenzwert geeignet.
Besonders tückisch sind Edibles. Nach dem Essen kann die Wirkung verzögert einsetzen. Dadurch kann zunächst der Eindruck entstehen, dass nichts passiert, obwohl bereits eine relevante Menge aufgenommen wurde. [1]
Wie kommt es bei Kindern zu einer Cannabisvergiftung?
Bei kleinen Kindern handelt es sich häufig um eine unbeabsichtigte Aufnahme. Cannabisprodukte können zu Hause beispielsweise in Schränken, Taschen oder anderen Bereichen aufbewahrt werden, die für Kinder erreichbar sind. Lebensmittel mit THC können zudem optisch gewöhnlichen Süßigkeiten oder Snacks ähneln. [1]
Besonders wichtig ist deshalb eine sichere Aufbewahrung. Cannabisprodukte sollten verschlossen, außerhalb der Sicht- und Reichweite von Kindern und möglichst in einem kindersicheren Behältnis aufbewahrt werden. [1] [2]
Symptome einer Cannabisvergiftung bei Kindern
Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Zu den möglichen Symptomen einer Cannabisvergiftung gehören:
- ungewöhnliche Müdigkeit und starke Schläfrigkeit,
- Benommenheit oder Teilnahmslosigkeit,
- Verwirrtheit,
- unsicherer Gang und Koordinationsstörungen,
- verwaschene Sprache,
- Erbrechen,
- veränderte Herzfrequenz,
- Muskelschwäche oder verminderte Muskelspannung,
- in schweren Fällen verlangsamte oder beeinträchtigte Atmung,
- Krampfanfälle und
- Bewusstlosigkeit beziehungsweise Koma. [1] [3]
Angst, Unruhe, Wahrnehmungsstörungen oder andere psychische Veränderungen sind ebenfalls möglich. Welche Symptome auftreten, hängt unter anderem vom aufgenommenen Produkt und der individuellen Situation des Kindes ab. [5]
Wann treten die Symptome auf?
Der Zeitpunkt des Wirkungseintritts hängt wesentlich davon ab, wie Cannabis aufgenommen wurde. Nach dem Verzehr von THC-haltigen Lebensmitteln können die Effekte deutlich verzögert auftreten und länger anhalten als nach dem Inhalieren. [1]
Deshalb ist es falsch, eine Cannabisvergiftung bei einem zunächst symptomfreien Kind auszuschließen. Wenn bekannt oder wahrscheinlich ist, dass das Kind Cannabis oder ein THC-haltiges Produkt aufgenommen hat, sollte frühzeitig fachlicher Rat eingeholt werden. [2]
Was tun, wenn ein Kind Cannabis gegessen hat?
Bei einem Verdacht auf eine Cannabisaufnahme sollten Eltern nicht abwarten, bis sich deutliche Beschwerden entwickeln. In Deutschland stehen dafür die regional zuständigen Giftinformationszentren rund um die Uhr zur Verfügung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung führt ein aktuelles Verzeichnis dieser Zentren. [4]
- Ruhe bewahren: Das Kind beruhigen und beobachten.
- Giftinformationszentrum kontaktieren: Möglichst genau mitteilen, welches Produkt aufgenommen wurde, wann die Aufnahme vermutlich erfolgte und welche Menge fehlen könnte. [4]
- Verpackung bereithalten: Wenn möglich, Produktverpackung oder Informationen zum Cannabisprodukt aufbewahren, damit Wirkstoff und Konzentration möglichst genau bestimmt werden können.
- Keine eigenen Behandlungsversuche: Ohne medizinische Anweisung sollten keine Maßnahmen wie das Auslösen von Erbrechen durchgeführt werden.
- Bei schweren Symptomen 112 wählen: Insbesondere bei Atemnot, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder ausgeprägter Bewusstseinsstörung ist sofort der Rettungsdienst erforderlich. [6]
Bei einer möglichen Vergiftung ist die genaue Einschätzung des Einzelfalls wichtig. Deshalb sollte die Entscheidung über weitere Maßnahmen nicht allein anhand der vermuteten Menge getroffen werden.
Was sollte man bei einer Cannabisvergiftung nicht tun?
Der ursprüngliche Artikel empfiehlt unter anderem eine Magenspülung innerhalb von zwei Stunden. Eine solche Maßnahme gehört jedoch nicht zur allgemeinen Selbsthilfe und sollte nicht eigenständig durchgeführt werden. Welche medizinische Behandlung erforderlich ist, hängt vom Zustand des Kindes und der Art der Aufnahme ab.
Ebenso sollte man nicht darauf warten, dass ein Kind nach einer möglichen Aufnahme von selbst wieder völlig normal wirkt. Gerade bei Edibles können Beschwerden verzögert auftreten. [1] [2]
Wie wird eine Cannabisvergiftung behandelt?
Für eine akute Cannabisvergiftung gibt es kein spezifisches Gegenmittel. Die medizinische Behandlung konzentriert sich deshalb vor allem darauf, den Zustand des Kindes zu überwachen und die jeweils auftretenden Beschwerden zu behandeln. [3]
Bei stärker beeinträchtigten Kindern können eine Überwachung im Krankenhaus und gegebenenfalls intensivmedizinische Maßnahmen notwendig werden. Besonders wichtig sind dabei die Kontrolle von Bewusstsein, Atmung und Kreislauf. [3]
Die Dauer der Beschwerden lässt sich nicht pauschal festlegen. Sie hängt unter anderem von der aufgenommenen Menge, dem THC-Gehalt und der individuellen Reaktion des Kindes ab.
Kann eine Cannabisvergiftung lebensbedrohlich werden?
Eine versehentliche Cannabisaufnahme bei Kindern kann einen schweren Verlauf nehmen. In medizinischen Berichten wurden unter anderem ausgeprägte Bewusstseinsstörungen, Atemdepression, Krampfanfälle und intensivmedizinisch behandlungsbedürftige Verläufe beschrieben. [3]
Eine größere Auswertung von Cannabis-Edible-Expositionen bei Kindern unter sechs Jahren erfasste zwischen 2017 und 2021 mehr als 7.000 gemeldete Fälle. Ein erheblicher Anteil der Kinder benötigte eine stationäre Behandlung. [7]
Diese Zahlen stammen aus den USA und lassen sich nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen. Sie zeigen jedoch, dass eine versehentliche Aufnahme von THC-haltigen Lebensmitteln bei kleinen Kindern keineswegs als harmlos angesehen werden sollte.
Wie lässt sich eine Cannabisvergiftung bei Kindern verhindern?
Die wichtigste Maßnahme ist, den Zugang von Kindern zu Cannabisprodukten zu verhindern. Das gilt insbesondere für Lebensmittel mit THC, die von Kindern leicht mit normalen Süßigkeiten oder Snacks verwechselt werden können. [1]
- Cannabisprodukte immer außerhalb der Reichweite und Sicht von Kindern aufbewahren.
- Edibles und andere THC-haltige Produkte in einem verschlossenen, kindersicheren Behältnis lagern.
- Cannabis nicht in der Nähe von Kindern konsumieren.
- Produkte möglichst in ihrer Originalverpackung aufbewahren.
- THC-haltige Lebensmittel niemals gemeinsam mit gewöhnlichen Süßigkeiten oder Lebensmitteln lagern.
- Auch Gäste und andere Betreuungspersonen darauf hinweisen, Cannabis sicher aufzubewahren. [1] [2]
Wann muss sofort der Notruf 112 gewählt werden?
Bei einer möglichen Vergiftung mit schweren Symptomen sollte keine Zeit verloren werden. Der deutsche Gesundheitsdienst empfiehlt bei Bewusstlosigkeit, Atemnot oder anderen lebensbedrohlichen Zuständen den sofortigen Notruf 112. [6]
Besonders alarmierend sind:
- Atemnot oder auffällig verlangsamte Atmung,
- Bewusstlosigkeit oder fehlende Reaktion,
- Krampfanfälle,
- starke Bewusstseinsstörungen,
- ausgeprägte Verwirrtheit oder
- eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands. [6]
Bis zum Eintreffen medizinischer Hilfe sollte das Kind nicht allein gelassen werden. Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung sind die allgemeinen Erste-Hilfe-Regeln zu beachten; bei fehlender normaler Atmung müssen umgehend Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden.
Fazit: Cannabis gehört für Kinder außer Reichweite
Eine Cannabisvergiftung bei Kindern kann insbesondere nach dem versehentlichen Verzehr von THC-haltigen Lebensmitteln auftreten. Die Beschwerden reichen von Müdigkeit und Koordinationsstörungen bis zu schweren Bewusstseins- und Atemproblemen. [1] [3]
Eine pauschale ungefährliche Menge lässt sich nicht angeben. Auch der Zeitpunkt des Wirkungseintritts ist abhängig von der Aufnahmeform und kann bei Edibles deutlich verzögert sein. Deshalb sollte bei einem begründeten Verdacht nicht auf erste Symptome gewartet werden. [1]
In Deutschland können die Giftinformationszentren bei einem Vergiftungsverdacht beraten. Bei Atemnot, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder anderen lebensbedrohlichen Symptomen ist dagegen sofort der Notruf 112 erforderlich. [4] [6]
Am wirksamsten ist Prävention: Cannabisprodukte und insbesondere THC-haltige Lebensmittel sollten verschlossen und für Kinder unzugänglich aufbewahrt werden. [1]
Quellen [+]
[1] Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Cannabis and Poisoning. 15.02.2024. https://www.cdc.gov/cannabis/health-effects/poisoning.html
[2] Poison Control: My child ate a cannabis edible. Fachinformation zur versehentlichen Aufnahme von Cannabis-Edibles durch Kinder. https://www.poison.org/articles/my-child-ate-a-cannabis-edible
[3] American College of Medical Toxicology (ACMT): ACMT Position Statement: Addressing Pediatric Cannabis Exposure. 2019. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6597667/
[4] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Giftinformationszentren – Verzeichnis der Giftinformationszentren der Bundesrepublik Deutschland. Aktualisierte Übersicht. https://www.bfr.bund.de/chemikaliensicherheit/nationales-produktregister/giftinformationszentren/
[5] Bundesportal gesund.bund.de: ICD-10-Code T40.7 – Vergiftung: Cannabis (-Derivate). Aktualisierte Fachinformation. https://gesund.bund.de/icd-code-suche/t40-7
[6] Bundesportal gesund.bund.de: Notruf und Notaufnahme bei Kindern. Stand 23.04.2026. https://gesund.bund.de/wege-im-gesundheitswesen/kindheit/notfaelle/notruf-und-notaufnahme
[7] American Academy of Pediatrics: Pediatric Edible Cannabis Exposures and Acute Toxicity: 2017–2021. Pediatrics, 2023;151(2):e2022057761. https://publications.aap.org/pediatrics/article/151/2/e2022057761/190427/Pediatric-Edible-Cannabis-Exposures-and-Acute
